Oliver Bäumker
Bürgermeister für Oelde

Engagiert, motiviert, erfahren


Oelder Schaufenster Juni 2020

Herr Bäumker, warum wollen Sie Bürgermeister werden?

Nun, eigentlich muß es ganz genau heißen, warum ich Bürgermeister von Oelde werden möchte. Ich kann mir nämlich überhaupt nicht vorstellen, woanders Bürgermeister zu werden. Nach meinem Verständnis vom Amt eines Bürgermeisters geht das nur dort, wo man zu Hause ist. Ich bin in Oelde seit 1980 zu Hause, hier zur Schule gegangen. Nur für mein Studium in Münster und Heidelberg und für einen längeren Auslandsaufenthalt in Rom habe ich Oelde zeitweise verlassen müssen. Eigentlich war ich nie richtig weg. Ich habe hier gelebt, gearbeitet, meine Tochter ist hier aufgewachsen.


Von 1999 bis 2013 war ich bereits Mitglied des Stadtrats, von 2006 bis 2013 Vorsitzender des TV Jahn Oelde. Andere ehrenamtliche Tätigkeiten in Kirche und Schulpflegschaft kommen hinzu. Durch dieses Engagement habe ich mir die für das Amt unbedingt erforderliche Orts-, Personen- und Sachkenntnis angeeignet. Und zudem verfüge ich als Volljurist mit beiden Staatsexamen auch über die berufliche Befähigung hierzu.


Was braucht es in einer Zeit wie jetzt? Einen Verwaltungsexperten?

Ich lege großen Wert darauf, nicht überwiegend als Jurist oder Politiker gesehen zu werden, sondern als Mensch, Nachbar und Brückenbauer. Das Motto heißt daher nicht von ungefähr schlicht und ergreifend: Oli wählen!


Was mir immer am wichtigsten bleiben wird: Ich mag Menschen und ich bin unabhängig, das braucht es in dieser Zeit. Keine Partei oder Interessengemeinschaft hat mich ausgewählt, ich bin von über 160 Oeldern nominiert worden. Das sind übrigens mehr Menschen als alle Parteimitglieder zusammen, die Anfang des Jahres auf ihren Parteitagen die beiden anderen Kandidatinnen aufgestellt haben.


Mit dem Begriff Verwaltungsexperte tue ich mich schwer. Was ist das genau? Jemand, der einen Haushaltsplan lesen, deuten und erklären kann? Ich habe einige Jahre als finanzpolitischer Sprecher im Rat gewirkt, ich kann das. Geld drucken kann ohnehin keiner von uns, vernunftvolles Sparen und vorausdenkendes Umstrukturieren aber schon, wie der Rat es zu allen Zeiten gezeigt hat.


Der Bürgermeister ist nicht eine Art oberster Sachbearbeiter, sondern der oberste Repräsentant der Stadt und ihrer Bürger sowie zugleich Dienstvorgesetzter aller städtischen Mitarbeiter vom Baubetriebshof über die Stadtbücherei, unsere Schwimmbäder und die vielen Kindertageseinrichtungen bis hin zum Standesamt, um hier nur einige Bereiche ganz konkret zu benennen. Kein Mensch kann das alles gleichermassen perfekt. Es sind in unserer Stadtverwaltung hingegen ausreichend viele und gute Spezialisten vorhanden. Doch auch Experten machen Fehler.


Daher braucht es jemanden, der die unterschiedlichen Kräfte bündelt, politische Erfahrung vor Ort hat, die Menschen einbindet und ihnen das Gefühl gibt, dass das Rathaus für sie da ist – und nicht umgekehrt. Ich bin bereit und mit 48 Jahren auch im richtigen Alter, das mit meiner Erfahrung und Persönlichkeit gut auszufüllen.


Ich bitte jeden Einzelnen um Unterstützung und Vertrauen in meinen Gestaltungswillen. Ja, Sie haben richtig gehört: Gestaltung, nicht nur reine Verwaltung, und Entscheidungsfreude, das benötigen wir dringend. Probleme und Missstände abstellen, nicht verwalten. Jetzt verstehen Sie, warum ich Probleme mit dem Qualitätssiegel Verwaltungsexperte habe. Es sagt schlicht nichts aus über die Vielzahl der Aufgaben, die ein Bürgermeister anzugehen hat.


Vielmehr ist damit bezweckt, dem Bürger Sand in die Augen zu streuen. Es soll suggeriert werden, dass die Verwaltung nicht leistungsfähig genug ist. Das ist aber Unsinn. Woran es fehlt: Ein Bindeglied zwischen Rathaus und Bürgerschaft. Leider gibt es aber auch Kräfte, die genau das nicht wollen.


Weiter wie bisher? Keine Fragen stellen, nicht nachhaken, bequem und unkritisch sein: Das alles ist schon immer und gerade jetzt genau der falsche Weg. Ich möchte klarstellen, dass ich nicht alles anders, aber vieles besser machen will. Wir müssen bei deutlich knapperer Kassenlage denselben Aufbruch wie damals zur Zeit der Landesgartenschau 2001 erzeugen. Lassen Sie es mich daher noch einmal mit aller Deutlichkeit sagen: Ein Bürgermeister muss seine Stadt, deren Ortsteile und die Menschen gut kennen – und genau darin sollte er Experte sein.


Wo stehen Sie politisch?

In erster Linie möchte ich mich als überzeugten Demokraten bezeichnen, der das auch ernst nimmt. Unabhängigkeit bedeutet für mich keinesfalls Beliebigkeit. Ich habe Werte und trete für diese auch ein, so bin ich für eine freie Wirtschaft, aber nicht für einen entfesselten Kapitalismus. Globalisierung kann beispielsweise in Form von Freizügigkeit von Waren, Dienstleistungen und auch von Bildung gerade für junge Menschen grundsätzlich sehr positiv sein, aber nur, wenn sie nicht regionale Strukturen zerstört und Menschen nur noch zum Funktionieren benötigt oder degradiert.


Daher setze ich mich für eine Sozial- und Umweltpolitik mit Augenmaß ein, ohne Scheuklappen, global wie lokal. So schlecht stehen wir gar nicht, wie es immer behauptet wird. Daher halte ich auch nichts von ständiger obrigkeitlicher Belehrung, wie es gerade sich fortschrittlich nennende Politiker gerne und immer mehr tun. Aber wir müssen am Ball bleiben und die Dinge ernst nehmen. Insoweit ist die gegenwärtige Krise etwas, was trotz allem Traurigen ganz sicher auch sehr viel positive Kraft zur Entfaltung kommen lässt.


Trotz aller vom Bürger empfundenen Defizite: Wir haben keine bessere politische Ordnung als die des Grundgesetzes und der Landesverfassung. Punkt. So einfach wie kompliziert ist das. Gemeinsam müssen wir nun das Beste daraus machen. Gemeinsam packen wir das. Nur gemeinsam. Ich will eines ganz deutlich herausstellen: Wir benötigen eine Aufbruchstimmung, gerade jetzt in der Krise. Wenn nicht jetzt, wann dann?


Ein guter Bürgermeister muss bereit, mutig und in der Lage sein, gegen Trägheit in Politik und Verwaltung – sprich: gegen Streitereien und den Unwillen, quer und in die Zukunft zu denken – einen deutlichen Gegenpunkt zu setzen. Wir müssen den Blick nach vorn richten! Nicht mehr und nicht weniger, haben wir einfach mehr Zuversicht und Vertrauen in die eigenen Kräfte. Nicht alles anders, aber vieles besser machen. Das kann ich mit gutem Gewissen unterschreiben.


Als Bürgermeister möchte ich Aufbruch auf allen Ebenen unterstützen und fördern. Das beginnt bei der Innenstadt und den Dorfkernen, die das Rückgrat unserer ländlichen Identität bilden. Es endet nicht erst bei denen, die neu unter uns leben und deren Kräfte und Kompetenzen sehr zum Gemeinwohl beitragen können. Sie sollen sich wohl fühlen und nicht nur geduldet oder gar ausgeschlossen. Es ist kein Wunder, dass in Großstädten Parallelgesellschaften entstehen, wenn Integration nicht gelingt oder nicht hinreichend betrieben wird. Das soll hier in Oelde nicht passieren.


Zum Schluss die Frage erneut: Warum wollen Sie Bürgermeister von Oelde werden?

Ich bin immer ein handelnder, organisierender Mensch gewesen, der sich begeistern lässt und andere gerne begeistert und führt. So möchte ich es auch als Bürgermeister halten: fortschrittlich, überparteilich, gerecht und bürgernah. Und unabhängig – daher kandidiere ich auch nicht für eine Partei, sondern für die Menschen.


Herr Bäumker, wir bedanken uns für das Gespräch.

Ich habe zu danken. Bleiben Sie gesund!

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